Siebdruck und lokale Kunst: Im Gespräch mit Alexander Junius

Auf den Spuren der brandneuen Wir von Hier Hoodies traf sich unser Redaktionsteam mit Alexander Junius, dem kreativen Geist hinter den mit Siebdruckverfahren bedruckten Pullis. Im Gespräch unterhielten wir uns mit dem Berliner Künstler über lokale Kultur, Streetart, Siebdruck und Nachbarschaft.

Mit welchen Kunstprojekten bist du aktuell beschäftigt, wo liegt dein Schwerpunkt?

Ich arbeite an verschiedenen Schablonen für Aufträge, die im Frühjahr durchgeführt werden. Dazu kommt dann noch die Vorbereitung und Planung von verschiedenen Streetart-Workshops mit Kindern und Jugendlichen sowie die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten. Ich versuche immer besser zu werden und neue Dinge auszuprobieren.

Würdest du dich selbst als lokalen Künstler bezeichnen?

Absolut. Ich bin in Berlin aufgewachsen und arbeite auch seither hier. 95 % meiner Projekte finden in Berlin statt. Von Hellersdorf bis Spandau und von Pankow bis Rudow – überall war ich bereits mit Freunden, Kollegen oder auch Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmern kreativ unterwegs und habe das Stadtbild verändert.

Welche Bedeutung hat die Nachbarschaft für einen Streetart-Künstler? Und umgekehrt: welchen Einfluss hat aus deiner Sicht Streetart auf die lokale Kultur?

Graffitikünstler sind wohl das beste Beispiel. Sie sehen eine Wand oder eine Fläche, und sofort hagelt es Ideen, wie diese Fläche ihrer Meinung nach besser aussehen könnte. Das gefällt sicherlich nicht jedem, aber so ist das mit der Kunst. Manche Dinge gefallen vielen Leuten und andere nur einer ganz kleinen Szene.

Streetart und Graffiti sind wohl zwei der stärksten Arten, unsere Umgebung künstlerisch zu verändern. Ich selbst habe bereits circa 2.500 Stromverteilerschränke in Berlin mit meinen Kollegen und Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmern gestaltet.

Aus grauen dreckigen Rechtecken werden dann plötzlich bunte Leinwände, die den Kiez verschönern und somit auch Einfluss auf die Anwohner nehmen. Dem kann sich ja keiner entziehen, denn die Kästen stehen mitten auf dem Gehweg. Das Feedback der Anwohner hat sich in den letzten fünf Jahren auch stark zum Positiven entwickelt.

Hat deine Nachbarschaft bzw. deine Umgebung einen bestimmten Einfluss auf deine Kunst? Wie spiegelt sich das in deinen Projekten wider?

Ich lasse mich natürlich von meiner Nachbarschaft beeinflussen. Das können Mitmenschen, Tiere oder auch Gegenstände sein. Manchmal auch eben ein Zusammenspiel all dieser Dinge.

Zum Beispiel ein Waschbär, der im Müll in einer Gegend wie Friedrichshain wühlt, in der einige Menschen 24/7 arbeiten, um Geld zu verdienen und Touristen und Studenten völlig unbedarft feiern und trinken. Daraus ist dann eine Siebdruckidee entstanden: „Ein Waschbär zwischen Flaschen, Geldsäcken und einem Bier in den Krallen“.

Einflüsse gibt es überall, manche Menschen beschäftigen sich mehr und andere weniger damit. Das macht Berlin auch irgendwie aus. Viele Extreme, viele krasse Unterschiede. Es gibt so viele Künstler aus verschiedenen Bereichen wie Graffiti, Streetart, Lyrik oder auch Tanz und Musik. Das sind die Menschen, die sich am liebsten den ganzen Tag mit kreativen Dingen und ihrer Umwelt beschäftigen, reflektieren und etwas hinterlassen möchten. Genauso gibt es aber auch das Gegenteil.

Könntest du unserer Community etwas über Siebdruck erzählen? Wie funktioniert das und was müsste man dabei als Anfänger beachten?

Siebdruck ist ein wunderschönes Medium. Es gibt einige Siebdruckwerkstätten, in denen man selbst drucken kann. Unter Anleitung kann jeder dort seine Ideen auf T-Shirts, Beutel oder Pullover drucken.

Was ihr dafür benötigt:

  • Eine Idee
  • Diese Idee auf eine Folie, in schwarz gedruckt
  • T-Shirts, Beutel, etc.
  • Siebdrucksieb (in der Werkstatt vorhanden)
  • Siebdruckfarbe (in der Werkstatt vorhanden)
  • Rakel (in der Werkstatt vorhanden)

Schon kann es losgehen!

Im ersten Schritt das Sieb mit einer UV-empfindlichen Emulsion beschichten und trocknen. Danach das eigene Logo auf den Belichtungstisch und das Sieb obendrauf legen. Nun wird das Sieb mit UV-Röhren ca. 1 Minute bestrahlt. Dabei härtet die Emulsion überall dort komplett aus, wo Licht ankommt.

An den Stellen, an denen das Logo (in schwarz) die Emulsion schützt und das Licht nicht durchlässt, könnt ihr die Emulsion später wieder ausspülen. So habt ihr eine Schablone im Sieb.

Nachdem das Sieb getrocknet ist, könnt ihr auch schon mit dem Druck beginnen. T-Shirt auf einem Tisch ausrichten, Sieb in eine Klappvorrichtung spannen, runter klappen, Farbe drauf und die Farbe durch das Sieb auf das T-Shirt drücken… fertig!

Diesen Vorgang könnt ihr einige Male wiederholen und somit in kurzer Zeit mehrere Shirts und Co. mit dem eigenen Motiv bedrucken.

Inspiriert durch die Anleitung zum Siebdruck von Alexander können wir es kaum erwarten, unsere Illustrations-Ideen auch mal selbst auf T-Shirts zu drucken… 🙂

Habt ihr auch Ideen für schöne Prints, die eure Nachbarschaft widerspiegeln? Auf Wir von Hier könnt ihr euch mit euren Nachbarn in Gruppen zusammenschließen und besprechen, welche Prints eure Nachbarschaft am besten repräsentieren würden.

Noch nicht auf Wir von Hier? Hier geht’s zur Anmeldung:

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