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Frisches Gemüse und Fisch aus Berlin

Tropenfrüchte mitten in Berlin produzieren? Geht das?
Falls du schon vom Beruf des Stadtfarmers gehört hast, kennst du sicherlich die Antwort. Lass dich ansonsten überraschen und lies weiter! 🙂

Die Gläserne Stadtfarm in Berlin-Lichtenberg

Auf der Stadtfarm im Landschaftspark Herzberge (Berlin-Lichtenberg), in einer eher weniger bekannten Ecke Berlins, werden rund ums Jahr Gemüse angebaut und Fische gezüchtet. Bei wärmeren Temperaturen wachsen in Gewächshäusern auch Tropenfrüchte wie Maracuja oder Bananen.

Wie ist das in einer Großstadt möglich?

Die Lebensmittelproduktion in der Farm funktioniert dank der speziellen AquaTerraPonik® Technologie, die Wasser und Nährstoffe in einem geschlossenen Kreislauf führt. Das heißt: Fische nützen Pflanzen und Pflanzen nützen Fischen. Das wichtigste Prinzip dabei – die systemische Nachhaltigkeit.

Lebensmittelproduktion nach der AquaTerraPonik® Technologie © Julia Schmidt

50 Tonnen Afrikanischer Wels, 30 Tonnen Salat, Kräuter, Tomaten und Gurken sowie Bananen, Ceylonspinat und Maracuja produziert die Stadtfarm jährlich.

„Warum aber afrikanischer Wels?“ war die erste Frage unserer Pescetarier. Der auch „African Catfisch“ genannte Wels stammt ursprünglich aus Zentralafrika, wo er zur Trockenzeit ähnlich beengt lebt wie hier in der Aquakultur. Er fühlt sich auf der Stadtfarm also fast wie zu Hause.

Stadtfarm – das Ernährungsmodell der Zukunft für urbane Räume?

Aber können Stadtfarmen, die nach einem ähnlichen Prinzip wie die Farm in Lichtenberg funktionieren, ein alternatives Modell für die zukünftige Ernährung der Menschen in urbanen Räumen anbieten?

Die Antwort ist nicht eindeutig. Solch eine Stadtfarm kann natürlich nicht ausreichend Lebensmittel für die ganze Stadt produzieren, sie ist jedoch ideal für die Versorgung der unmittelbaren Nachbarschaft. „Nah am Verbraucher“ sein ist auch das Motto der TopFarmers GmbH, die Europas größte gläserne Stadtfarm betreibt. Der Konsum von Produkten aus der Stadtfarm ist aber auch eine Preisfrage, denn nicht alle Stadteinwohner können sich regionale Produkte leisten.

Stadtfarm im Sommer © Julia Schmidt

Ein alternatives Landwirtschaftskonzept wird zum Beispiel auch in Oberndorf, Niedersachsen angewandt.

Der kleine idyllische Ort in Norddeutschland hat knapp 1.500 Einwohner; 2014 machte die einzige Grundschule im Dorf zu. Als die Dorfeinwohner sich an die Berliner Projektentwickler BE Solutions wandten, war die Zukunft von Oberndorf nicht gerade aussichtsreich. Keine Arbeitsplätze, verlassene Bauernhöfe. Das Einzige, was es im Überschuss gab, war…Gülle.

Zusammen mit den Beratern aus Berlin entwickelten die Oberndorfer folgendes Geschäftsmodell: Der Rohstoff aus den Kuhställen sollte Energie für die Aufzucht von afrikanischen Welsen liefern und sogar für den Anbau von Bananenbäumen genutzt werden. Zur Umsetzung der Idee gründeten die Dorfbewohner die Bürgeraktiengesellschaft ostewert.ag.

Die Filmemacherin Antje Hubert begleitete die Dorfeinwohner drei Jahre lang und drehte den Dokumentarfilm „Von Bananenbäumen träumen“ über die inspirierende Bewegung aus Niedersachsen (mehr Informationen zum Film findest du hier).

Zu Besuch auf der Stadtfarm 

Wie die Stadtfarm genau funktioniert, kannst du dir auch vor Ort ansehen. Das Besucherzentrum ist werktags für alle interessierten Nachbarn geöffnet (folge dem Link für weitere Infos). Seit kurzem gibt es auch jeden Monat einen verkaufsoffenen Samstag mit lokalen Partnern der Stadtfarm.

Für mehr Transparenz sorgen die Führungen, wo du über die Lebensmittelproduktion in der Stadtfarm informiert wirst. Für Friedrichshainer und Lichtenberger gibt es außerdem den Stadtsalat aus regionalen Zutaten direkt nach Hause oder ins Büro geliefert.

Besucherzentrum in der Stadtfarm © Julia Schmidt

Um mehr Einblicke ins Leben auf der Farm zu gewinnen, schau’ dir dieses Video von TopFarmers an.

Unter den Nachbarn der Stadtfarm in Lichtenberg scheint sich das urbane Food-Projekt großer Beliebtheit zu erfreuen. Die Führungen sind schnell ausgebucht und auch an Werktagen kommen vormittags viele Leute vorbei, um frisches Gemüse und Fisch zu kaufen.

Unser Tipp: Plane etwas mehr Zeit für deinen Stadtfarm-Besuch ein, wenn du nicht aus einem der naheliegenden Bezirke Lichtenberg, Friedrichsfelde oder Marzahn anfährst. Ein Spaziergang im Landschaftspark Herzberge nach der Stadtfarm-Tour macht bei gutem Wetter auch viel Spaß! Falls du während der Arbeitswoche viel zu tun hast, verpasse nicht den verkaufsoffenen Samstag!

Welche Urban Farming Projekte gibt es in deiner Umgebung? Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, selbst eine Farm in der Nachbarschaft zu gründen! 😉

Starte dein eigenes Projekt und begeistere deine Nachbarn von der Idee!

Das Wir von Hier Team steht dir gern bei allen Fragen zur Seite.
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