Hundeköder: Gefahr in der Nachbarschaft

Rattengift, Rasierklingen, Glasscherben, Nägel und Tabletten in Fleischbällchen, Wurststückchen oder sonstigen Hundeleckerlis.

Warum werden Giftköder auf Straßen, in Parkanlagen oder auf Hundewiesen ausgelegt und was können wir alle dagegen unternehmen?

Wir von Hier machte sich auf die Suche nach Antworten…

Wie verbreitet sind Giftköderfälle?

Die Daten über Giftköderfälle werden aktuell nicht zentral erfasst, aber die vermehrten Meldungen in sozialen Netzwerken und in den Medien sprechen für sich: die Anzahl der gemeldeten Fälle steigt von Jahr zu Jahr an.

Das private Online-Portal Giftköder-Radar nahm allein bis August 2015 etwa 1.800 Meldungen auf, während es ein Jahr zuvor „nur“ 1.277 gewesen sind. Jedes Jahr kommt es zu unzähligen Warnungen über Hundeköder in der Nachbarschaft; ein Teil davon wird offiziell bestätigt und von der Polizei ermittelt.

  • Berlin // Mindestens 14 Hunde wurden wegen einer Vergiftung nach einem Spaziergang am Tegeler See in Berlin behandelt. Nur 3 konnten gerettet werden.
  • Haimhausen bei München // Metallteile im Katzenfutter entdeckt; ein Hund ist fast ums Leben gekommen.
  • Hettstedt/Arnstein in Sachsen-Anhalt // Köder mit Rasierklingen gefunden, ein Facebook-Nutzer warnt mit einem Foto vor der Gefahr.
  • Cottbus-Sandow // Hundeköder mit Reißzwecken versehen, mitten auf der Straße entdeckt.
Hundeköder in Cottbus-Sandow, gesehen im Februar
Quelle: www.niederlausitz-aktuell.de

Leider gibt es meist zu wenige Hinweise, um die Täter zu identifizieren. Viele Fälle bleiben kaum aufgeklärt.

2015 untersuchte die Polizei den Fall in Rastatt. Entlang einer beliebten Hundelaufstrecke fand man Fleisch- und Wurststücke, die mit giftigen Stoffen präpariert wurden. Aufgrund von Zeugenaussagen haben die Polizisten einen 80-Jährigen ermittelt, der die gefährlichen Köder ausgelegt hatte.

Ein Jahr später ergab sich ein weiterer trauriger Fall in Euskirchen. Eine Hundehalterin musste mit ansehen, wie ihr Hund vergiftet wurde. Beim Spaziergang auf der Promenade packte ein älterer Mann die Frau an den Armen und hielt sie fest, während seine Begleiterin dem Hund Fleischbällchen mit Giftködern zuwarf.

„Hundefreundliche“ vs. „hundefeindliche“ Nachbarschaft?

Die Meldungen über Hundeköder reichen von Solingen bis Berlin, von Oranienburg bis Nürnberg. Die Giftköder-Problematik ist nicht ortsgebunden, sondern deutschlandweit. Welche Rolle spielt hier aber die Nachbarschaft, in der man wohnt? Gibt es „hundefreundliche“ und „hundefeindliche“ Nachbarschaften?

Sebastian und Laura halten zwei spanische Windhunde und stehen der Einordnung von Nachbarschaften in „hundefreundlich“ und „hundefeindlich“ eher skeptisch gegenüber: „Im Zusammenhang mit Nachbarschaft kann man kaum zwischen „hundefreundlich“ und „hundefeindlich“ unterscheiden. Am Verhalten einzelner Personen sollte man nicht auf das Verhalten der Allgemeinheit schließen“.

„Es gab mal den ein oder anderen Nachbarn, der Begegnungen mit unseren Hunden als unangenehm empfand. Sobald wir so etwas mitbekommen, achten wir darauf, dass unsere Hunde nicht zu nahe an die vermutlich ängstlichen Nachbarn kommen“, erzählten Sebastian und Laura dem Wir von Hier Team.

Was Giftköder angeht, sind die beiden bisher glücklicherweise verschont geblieben. Mit dem Problem selbst hat sich das Paar aber bereits auseinandergesetzt. „Wir waren zwar mehrere Male beim Tierarzt, weil einer unserer Hunde etwas Verdächtiges gefressen hat, jedoch hat sich der Verdacht glücklicherweise nicht bestätigt“.

Foto von  Kamila Wk via Unsplash

Wie schützt man seinen Vierbeiner vor der Hundeköder-Gefahr?

Laura und Sebastian sind der Meinung: „Mit Aufmerksamkeit und gegenseitiger Rücksichtnahme kann man viel erreichen“.

Wie soll das aber genau gehen? Die beiden Hundehalter geben dem Wir von Hier Team und der Nachbarschaftsgemeinschaft folgende Tipps.

Aufmerksam sein

Als Erstes gilt hier: den Hund und die Umgebung nicht aus den Augen verlieren.

Findet dein Hund eine Stelle besonders interessant, prüfe gleich nach, was genau dort liegt. So kannst du rechtzeitig einschätzen, ob sich dahinter eine Gefahr für deinen Lieblingsvierbeiner verbirgt.

Falls der Hund einmal schneller als du gewesen ist und schon etwas gefressen hat, was nach einem Köder aussieht, solltest du fix reagieren und sofort zum Tierarzt gehen. Hier zählt jede Sekunde.

Ist dein Hund in Sicherheit, so solltest du auch Passanten darauf hinweisen, dass das Spazieren mit dem Hund am Ereignisort gefährlich sein kann. Ganz wichtig: Fotos von der Stelle machen und sie später an die Polizei weitergeben und eventuell ein paar Warn-Zettel in der Umgebung aushängen.

Die Köder selbst solltest du am besten auch gleich einsammeln oder von der Polizei abholen lassen. Falls du das selber machst, ziehe zur Sicherheit Handschuhe an oder verwende einen Kotbeutel.

Hat der Hund unglücklicherweise einen vermeintlichen Köder gefressen, können die Köder dem Tierarzt als hilfreicher Hinweis für die Behandlung dienen. Auch für die Polizei sind sie als Beweismaterial von Bedeutung.

Solltest du auf solche Köder treffen, lasse sie auf keinen Fall liegen. Ein paar Stunden oder sogar Minuten später könnten sie schon von einem anderen Hund gefunden und gefressen werden.

Gegenseitige Rücksichtnahme

Zwar kann man nur Vermutungen anstellen, wer solche Hundeköder auslegt, aber eins ist für Sebastian und Laura klar: „Das sind Menschen, die Angst vor Hunden haben und schlechte Erfahrungen mit Hunden oder ihren Besitzern gemacht haben“.

„Um zu solch drastischen Mitteln zu greifen, muss sich unserer Ansicht nach sehr viel Hass aufgebaut haben. Und dies wird vermutlich nicht von heute auf morgen passieren“.

Wie aber geht man hier vor?

„Zuerst sollte es vermieden werden, Situationen zu erschaffen, in denen sich andere Menschen von eurem Vierbeiner verunsichert oder verärgert fühlen“, meint das Paar.

Wer möchte zum Beispiel gern in einen großen Haufen auf dem Bürgersteig treten? Manche Hundehalter denken aber nicht daran und lassen den Kot ihres Hundes auf der Straße liegen. Dazu sagt Sebastian: „Wenn ich so etwas sehe, denke ich, dass diese Leute dem Bild der Hundebesitzer und damit auch der Hunde schaden“.

Achte beim Spazierengehen auch darauf, dass dein Hund die Nachbarn nicht stört. „Nicht alle Nachbarn mögen Hunde so gern, wie man selbst“, geben Sebastian und Laura zu. „Einige haben sogar eine Hundehaar-Allergie“. So kann der ein oder andere Nachbar es für unangenehm empfinden, wenn dein Hund zu ihm läuft oder vielleicht sogar an ihm hochspringt.

Der rücksichtsvolle Umgang mit anderen Hundehaltern sollte natürlich ebenso selbstverständlich sein. Wenn du beim Spaziergang an einer schmalen Stelle an jemandem vorbeigehen musst, halte die Leine möglichst kurz. Dadurch vermeidest du mögliche Konflikte und ein potenzielles Verletzungsrisiko für deinen Hund; auch die anderen Nachbarn mit ihren Vierbeinern fühlen sich so nicht gestört.

Letztendlich ist die Hundeschule auch eine wertvolle Erfahrung – sowohl für den Hund, als auch für den Menschen. „Eine Hundeschule zu besuchen ist mit großem Abstand der beste und einfachste Tipp, um besser mit gewissen Situationen klarzukommen“, sagen Laura und Sebastian. „Das Training mit dem Hund macht eine Menge Spaß und stärkt die Bindung zwischen Vierbeiner und Halter“.

Hundeköder sind eine große Gefahr für alle in der Nachbarschaft. Denn nicht nur Hunde, sondern auch kleine Kinder können zufällig ein vergiftetes Wurststück oder Ähnliches beim Spazieren entdecken. Für alle Fälle möchten wir dir dieses E-Book von PETA und Josera empfehlen, das dir die wichtigsten Informationen über das Thema vermittelt.

Wie lebenswert deine Nachbarschaft für die Vierbeiner ist, hängt vor allem von dir selbst ab. Aufmerksamkeit und rücksichtsvolles Verhalten kann schon viel bewirken.

Wie geht’s den Vierbeinern in deiner Nachbarschaft?

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Quelle (Titelbild): Foto von Sabine Meuter via GiftköderRadar (www.giftkoeder-radar.com).

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