Interview mit Garten.Werk.Stadt aus Anklam

,

Garten.Werk.Stadt ist das neue Gartenprojekt aus Anklam am Jugend- und Kulturzentrum „Demokratiebahnhof“. Seit Ende letzten Jahres können alle Naturbegeisterte an den wöchentlich stattfindenden Gartenaktionen teilnehmen und dabei viel Neues über das Gärtnern lernen. Das Projekt wird dank einer Finanzierung des Umweltbundesamts ermöglicht.

Garten.Werk.Stadt richtet sich generell an alle Menschen, die auf respektvolle Art und Weise gerne mit Anderen gärtnern würden oder sich einfach im Garten aufhalten möchten. Das Ziel: die Nachbarn zu erreichen, die eine feste Gartengruppe starten und die Verantwortung für den Garten übernehmen würden.

Wir haben uns mit Isabell Schultz, einer der Projektkoordinatoren, über das Projekt unterhalten.

Wer steht hinter dem Projekt und wie ist die Idee dazu entstanden?

Hinter dem Projekt „Garten.Werk.Stadt“ stehen momentan vor allem zwei Menschen: Carl Barnick und Isabell Schultz. Wir teilen uns eine 40 Stunden Stelle und koordinieren zusammen das Projekt. Verantwortlich sind wir jedoch nicht allein, denn wir sind Teil des Demokratiebahnhofes und dazu gehört eine ganze Gruppe an Ehren- und Hauptamtlichen.

Projektkoordinatoren Isabell Schultz und Carl Barnick © Garten.Werk.Stadt Anklam

Als Team arbeiten wir gemeinsam an allen Projekten und unterstützen uns gegenseitig. Der Jugendtreff bildet den Mittelpunkt am Demokratiebahnhof. Gemeinsam mit den Jugendlichen, die regelmäßig kommen, wird der Ort belebt und gestaltet. Der Bahnhofsgarten wurde schon in den letzten Jahren immer mal genutzt, um vor allem im Sommer gemeinsam draußen zu sein.

Im letzten Sommer wurden auch Kräuter und ein bisschen Gemüse angebaut und es fanden vereinzelnd Gartenworkshops statt. So ist auch der Wunsch des damaligen Teams entstanden, eine Stelle einzurichten, die sich konkret um die Gestaltung des Gartens kümmert und diesen zu einem Gemeinschaftsgarten ausbaut.

Ein wichtiger Aspekt bildet dabei der Bereich Umweltbildung, heißt: das Wissen und die Erfahrung weitergeben und das Theoretische mit dem Praktischen verbinden. Im November haben wir langsam mit dem Projekt gestartet, wobei es so richtig erst Anfang dieses Jahres losging.

Was ist das Ziel von Garten.Werk.Stadt?

Es gibt mehrere Ziele, die wir gerne erreichen möchten. Ein großes Ziel ist es, den Jugendlichen zu zeigen, wie sie selber Nahrung anbauen können und sie davon zu überzeugen, dass Obst und Gemüse auch lecker sein können.

Darüber hinaus möchten wir die Nachbarschaft Anklams für das Projekt, aber auch den Demokratiebahnhof gewinnen. Bislang ist es teilweise noch sehr schwierig, der Skepsis der Menschen zu trotzen. Der Gemeinschaftsgarten ist öffentlich zugänglich und der Kontakt zu der Bevölkerung ist daher einfacher hergestellt.

Wenn wir erst einmal Nachbarn für den Garten begeistert haben, hoffen wir darauf, dass dort viele Menschen aus verschiedenen Altersgruppen und Hintergründen gemeinsam werkeln und sich austauschen können. Es soll ein Ort der Begegnung entstehen, der dann gar nicht mehr nur von uns als Projektleitung koordiniert wird.

Garten.Werk.Stadt – der Ort der Begegnung in Anklam © Garten.Werk.Stadt Anklam

Neben dem Garten versuchen wir gerade auch den Anbau am Bahnhofsgebäude zu sanieren und zu einem Nachbarschaftscafé mit angrenzender offener Werkstatt umzugestalten. Ab Mitte April werden wir eine Crowdfunding-Kampagne mithilfe von Startnext starten, um die nötigen finanziellen Ressourcen dafür zu bekommen. Wenn uns das gelingt, dann könnten wir uns räumlich auch noch mehr nach außen hin öffnen und sicherlich noch mehr Menschen auf uns aufmerksam machen.

Was ist der Ort, wo Garten.Werk.Stadt stattfindet?

Die Garten.Werk.Stadt ist Teil des Demokratiebahnhofes in Anklam. In dem ehemaligen Bahnhofsgebäude, direkt an den Gleisen, befindet sich ein Jugendzentrum. Das heißt, es ist drinnen und draußen immer sehr belebt. An den Gleisen kommen regelmäßig Reisende an oder fahren ab. Das Bahnhofsgelände ist daher ständig in Bewegung.

© Garten.Werk.Stadt Anklam

Anklam selbst ist eine Kleinstadt im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns und dort ist generell eher nicht so viel los. Besonders für Jugendliche gibt es wenig Angebote und für viele Ältere kaum Arbeit. Daher wirkt alles etwas trostlos, obwohl es viele sehr schöne Wohnhäuser gibt, die zu einem großen Teil jedoch unbewohnt sind. Der Demokratiebahnhof wurde gegründet, um die Region etwas wiederzubeleben und zu gestalten, aber auch um gegen den Rechtsruck vorzugehen. Das Projekt Garten.Werk.Stadt ist ein Versuch, unterschiedliche Altersgruppen zu involvieren, um gemeinsam den Ort zu gestalten.

Was wird im Garten angebaut?

Bisher wachsen im Garten erstmal nur Kräuter, wie Salbei, Rosmarin und Thymian. Es gibt auch zahlreiche Obstbäume (Äpfel, Kirschen, Mirabelle) und verschiedene Sträucher. Gerade sind wir aber schon dabei, Samen vorzuziehen und wollen dieses Jahr vermehrt Gemüse anbauen. Wir haben im Winter eine Liste gemacht, bei der einige Jugendliche mitentschieden haben. Dabei sind zum Beispiel Kartoffeln, Wurzelgemüse, Salate, Radieschen, Bohnen, Erbsen, Popcornmais. Außerdem versuchen wir, verschiedene Tabaksorten anzubauen, da wir im Mai eine Ausstellung zum Thema „unfairen Tabakanbau“ machen.

Wie oft finden die Gartenaktionen statt und um welche Zeit?

Zurzeit haben wir jeden Mittwoch einen offenen Gartentreff von 13 bis 16 Uhr. Da wir aber auch an den anderen Tagen versuchen, vor Ort zu sein, ergeben sich auch spontan weitere Garteneinsätze, je nach Wetterlage. Im Winter und in den Osterferien haben wir auch jeweils einen Workshop gemacht, der über eine ganze Woche ging.

Wer kommt zur Garten.Werk.Stadt?

Wir haben erst Anfang des Jahres gestartet und bislang lief die Teilnahme noch sehr schleppend. An sonnigen Tagen machen einige der Jugendlichen aus dem Demokratiebahnhof mit. Darunter sind meist die Jüngeren im Alter von 10 Jahren. Es kommt sehr auf das Thema an.

© Garten.Werk.Stadt Anklam

Als wir zum Beispiel Hochbeete gebaut haben, waren auch 14- und 15-Jährige dabei. Aus der Nachbarschaft hatten wir bisher ab und zu Besuch von Menschen, die uns mal für eine Aktion geholfen oder einfach mal zum Schnacken vorbeigekommen sind. Manchmal bekommen wir auch Pflanzen oder Werkzeug geschenkt. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen haben wir ab Mai auch regelmäßig Besuch von Schulklassen aus Anklam.

Kennt ihr ähnliche Projekte wie Garten.Werk.Stadt in Anklam und deutschlandweit?

Einen Gemeinschaftsgarten gibt es in Anklam noch nicht und das Konzept ist etwas sehr Neues. Das könnte auch einer der Gründe sein, wieso das Projekt bisher eher schleppend anläuft. In Greifswald, wo wir eigentlich wohnen, gibt es bereits ein ähnliches Projekt, mit dem wir auch in Kontakt stehen und uns austauschen.

Der Projektname „Garten.Werk.Stadt“ gibt es tatsächlich häufiger in Deutschland, eines der bekanntesten ist in Marburg. Die Namensgebung war aber eher Zufall.

Wie läuft ein typischer Arbeitstag in der Garten.Werk.Stadt ab?

Einen typischen Arbeitsalltag gibt es im Demokratiebahnhof eher nicht, weil wir etwas freier arbeiten. Jedoch ist eine gewisse Routine zu erkennen, vor allem weil wir uns nach dem Fahrplan der Bahn richten müssen, um nach Anklam zu gelangen.

Montags trifft sich das Team, welches fest vor Ort arbeitet, um die Woche zu planen. Jeden zweiten Donnerstag werden dann die größeren Entscheidungen im Plenum mit allen Ehren- und Hauptamtlichen getroffen. Im Bahnhof gibt es immer viel zu tun. Dazu gehören alltägliche Aufgaben, wie aufräumen, kochen, spülen. Der Jugendtreff startet um 13 Uhr. Um die Uhrzeit trudeln auch schon die ersten Jugendlichen ein. Das Gartenteam ist entweder zu der Zeit schon im Garten oder bereitet das Werkzeug vor.

Die ersten Gartenarbeiten in der Garten.Werk.Stadt © Garten.Werk.Stadt Anklam

Je nachdem, wie das Wetter aussieht oder welche Ideen wir für den Tag haben, gehen wir auch rüber in den Jugendtreff und fragen Einzelne, ob sie uns helfen möchten. Manche kommen auch mal so zu uns in den Garten. Es gibt aber auch Tage, da kommen wir selber gar nicht dazu, im Garten zu werkeln. Denn darüber hinaus müssen wir auch vieles andere organisieren, wie E-Mails verfassen, Pressemitteilungen schreiben, mit Vereinen telefonieren, zu Arbeitsgruppensitzungen in der Stadt gehen, Flyer entwerfen und verteilen, in den Baumarkt fahren oder einkaufen gehen.

Wichtig ist es natürlich nicht nur für unser eigenes leibliches Wohl zu sorgen. Bei Aktionen und Workshops bekochen wir die Teilnehmenden immer oder bereiten etwas gemeinsam zu. Die Pausen sind uns nämlich ganz besonders wichtig, um sich besser kennenzulernen.

Warum ist es wichtig, einen Garten pflegen zu können, wenn man in der Stadt wohnt?

Ein Garten ist ein Stück Natur und bringt ein bisschen Ruhe in die Stadt. Dort wohnen Tiere und blühen Blumen. Gärtnern, auch wenn es nur auf einer kleinen Fläche ist, kann einem sehr viel zurückgeben, was vielleicht im hektischen Alltag verloren gegangen ist.

Wie kann jedermann euer Projekt unterstützen?

Unterstützung ist auf verschiedene Weise möglich. Menschen aus Anklam und der Region können uns mit ihrer Teilnahme und Zeit unterstützen oder auch durch Pflanzen- oder Werkzeugspenden. Der Demokratiebahnhof braucht immer wieder finanzielle Unterstützung, wie zum Beispiel bei der Crowdfunding-Kampagne „Anbau für Alle – Alle für Anbau“. Darüber hinaus ist auch eine gute Vernetzung eine große Hilfe. Daher freuen wir uns sehr, wenn über unsere Projekte berichtet wird.

Ein Gemeinschaftsgarten kann eine Nachbarschaft zusammenbringen und Misstrauen abbauen, er ist zugleich ein Gesprächsthema und eine gemeinsame Tätigkeit für Nachbarn. Informiere dich über das Garten.Werk.Stadt-Projekt aus Anklam auf dieser Seite: garten-werk-stadt.de

Würdest du gern einen Gemeinschaftsgarten auch in deiner Stadt ins Leben rufen? Das Wir von Hier Team freut sich immer, dir dabei zu helfen. Schreibe uns eine E-Mail an support@wirvonhier.de und lass uns gemeinsam deine Idee besprechen!

Noch nicht auf Wir von Hier? Hier geht’s zur Anmeldung:

0 Kommentare

Dein Kommentar

Sag' uns deine Meinung,
Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.